
Felsfeuer
Das ist der Arbeitstitel des Buches, an dem ich in den letzten Monaten gearbeitet habe. Hier kommt nun endlich ein erster, kleiner Splitter aus dem Roman.
Leseprobe:
Ich stolperte und fiel am Wegesrand zu Boden. Lange kauerte ich dort, keuchte und zitterte. Die nassen Sachen waren vom Rennen schon ein wenig getrocknet, trotzdem hingen sie mir noch wie Eisklumpen am Leib. Langsam erstarrte die kochende Angst in mir zu bleischwerer Müdigkeit.
Im Unterholz war es totenstill, nur die Baumkronen flüsterten leise im Wind. Kein Verfolger zu sehen oder zu hören.
Irgendwann näherte sich leise das Flattern ledriger Flügel. Ich war zu erschöpft, um mich umzusehen. Unbeholfen wie eine Kanonenkugel landete etwas Grünes im Laub. Als sich das Wesen aufrappelte, erkannte ich einen Schreckenszügler. Seine Augen funkelten geheimnisvoll im Mondlicht.
»Biss?«, ich blinzelte ungläubig.
Der kleine Drache tapste auf mich zu und lehnte seinen Kopf an meine Seite. Eines seiner Ohren war eingerissen und seine Schuppen waren mit Schrammen verziert.
»Hast du mich gerettet?«, flüsterte ich und streichelte vorsichtig über seinen Kopf. »Wie bist du aus dem Käfig rausgekommen?«
Biss rieb seinen Kopf an meiner Seite und gab einen leisen, erleichterten Laut von sich. Da bemerkte ich, dass er etwas in seinem Maul trug. Als ich meine Hand vorsichtig danach ausstreckte, lockerte er seinen Biss und ließ den Gegenstand in meine Handfläche fallen. Freudig funkelten mich seine blanken Drachenaugen an, als wollte er sagen: »Sieh mal, was ich dir mitgebracht habe.«
Ich hielt den unförmigen Gegenstand ins Mondlicht. Er war bedeckt mit Blutspuren und grün-bläulicher Drachenspucke.
Vorsichtig wischte ich den Dreck ab. Zum Vorschein kam ein hölzerner Stempel mit kunstvollen Verzierungen. Mein Atem stockte.
Das Siegel von Fredering!


